Wie alles begann

Im zarten Alter von 13 Jahren wollte auch ich, wie alle anderen Jungs, den Mädels gefallen. Mein Körper mutete für mein Alter etwas übergewichtig an und ich war ein Streber; kein Frauenschwarm. Also musste ich irgendwie ein Held werden, dachte ich.

Mein Vater hat irgendwann mit uns Kindern mal Modellflugzeuge gebaut. Die haben wir dann einen Hang hinunter geworfen und alle sind irgendwie in Gartenzäunen hängensgeblieben. Das haben wir dann aufgegeben. Aber die Motivation war das auch wieder nicht. Das mit den Mädels schon ehr.
Jedenfalls gab es da einen Schaukasten an der Post meiner Heimatstadt mit Bildern und einem Unterrichtsplan, auf dem stand, dass immer Mittwochs Unterricht ist.
Sicherlich habe ich noch 2 Mittwoche lang Mut gesammelt und bin dann hingegangen. Die Fluglehrer waren alle mit meinem alten Herrn bekannt und es war schnell alles geregelt. Fortan besuchte ich den Theorieunterricht, bestand die flugmedizinische Untersuchung und half beim Aufbau unseres Flugplatzes in Suhl-Goldlauter.
Meinen ersten Flug habe ich in einem polnischen Doppelsitzer mit Namen Bocian gemacht. Meine Fluglehrer waren Manfred Frank, Erwin Hüwel, Franz Schülke, Konrad Göldner und Rolf Hartung.

boc2
Fotoshooting im Bocian
frank
Franz Schülke sitzend in der Foka 5, rechts Axel und Manfred Frank

Wer mir wann und wie viel beigebracht hat, kann ich heute eigentlich nicht mehr beurteilen, ich denke, dass alle einen guten Job getan haben.
Für das Leben gab es auf dem Flugplatz immer was zu lernen.
Die Mädels sind uns auch nicht nachgerannt – jedenfalls nicht gleich…
Wir hatten eine wunderbare Jugend in einem Staat mit Menschen, die Ideale zu verwirklichen suchten. Meine Freiheit bestand darin, dass ich für 8 Mark der DDR soviel fliegen konnte wie ich wollte. Es gab Grenzen: da drüben wohnen DIE, mit DENEN sind wir nicht gut und darum haben wir einen Zaun gebaut… Ist das heute anders ?

bocian
Flugschüler aus Schmalkalden und Meiningen mit dem Bocian

Inzwischen sind über zwei Jahrzehnte vergangen, ich wohne und fliege in die ehemalige Bundesrepublik.
Dazwischen liegen einfach viele kleine Geschichten, die teils lustig, teils nachdenklich, ein wenig aufgeschrieben gehören.
Im Sommer 1973 habe ich das erste Mal in einem Segelflugzeug gesessen. Es war ein Schuldoppelsitzer aus der Volksrepublik Polen mit Namen BOCIAN, zu Deutsch STORCH. Gestartet wurde im Flugzeugschlepp hinter einer PZL104 WILGA 35 (auch VR Polen) auf 1000 Meter Höhe über dem Flugplatz (QFE) Suhl. Vorsorglich hatte ich eine Pille gegen Reisekrankheit zu mir genommen um keinesfalls die Tüte benutzen zu müssen.

Der Flug war einfach wunderbar, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, das alles mal selber zu steuern.
Die Sommerferien dauerten 8 Wochen: Juli und August. Ich kann wahrscheinlich nur für mich sprechen, wenn ich sage, so im letzten Achtel der Ferien habe ich den ersten Schultag herbeigesehnt. Bis ich Segelflieger wurde. Ab da hätte die Welt nur noch aus Ferien bestehen können.
Die 8 Wochen waren in 4 Lehrgänge zu je 2 Wochen aufgeteilt: 2 Wochen Fluggruppe Suhl, 2 Schmalkalden, 2 Meiningen und 2 Gäste. Einzelne konnten bei Bedarf auch mehrere Lehrgänge besuchen: z.B. ich.

wartb
Startaufbau mit Bocian, FES und Wartburg 311, der bei Regen Platz für 12 Leute hatte…

1973 hatte ich in 2 Wochen von Ende Juli bis Anfang August 7 Starts abbekommen. Stolz hatte ich die Flugdaten sorgsam in mein Flugbuch eingeschrieben. Während meines zweiten Kurses in diesem Sommer feierte ich meinen 14 Geburtstag. Wie alt bist du eigentlich, fragte mein Fluglehrer. Die Antwort 14 führte dazu, dass mein Flugbuch mit nunmehr schon 10 Starts zerrissen und ein neues ausgestellt wurde; mit NULL Starts. Also von vorn anfangen…es sollte nicht das letzte mal sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *