Geschichte(n), die niemand braucht! (8)

 

Heute gibt es ein wenig selbst erlebte Geschichte. Meine Betrachtungsweise ist subjektiv, also könnte man wieder sagen: Das Folgende ist frei erfunden. Ähnlichkeiten, besonders zu noch lebenden Personen sind rein zufällig.

Die Militärs des Warschauer Vertrages liebten ihre großen Panzerverbände und waren immer noch der Meinung, dass man innerhalb zweier Tage von Polen kommend am Rhein stehen würde. Für den europäischen Kriegsschauplatz gab es in der kleinen Nationalen Volksarmee mehrere Szenarien. Die eine Hälfte ging davon aus, dass die Warschauer Vertragsstatten den Krieg selber beginnen sollten. Darunter wiederum war eine Variante, die mit dem massenhaften Start von GST– und Agrarflugzeugen die Luftverteidigung der NATO-Staaten an den Himmel bringen, anschließend mit Mittelstreckenwaffen deren Flugplätze zerstören und mit der eigenen Luftverteidigung die anfliegenden Jagdmaschinen bekämpfen sollte.

Dafür brauchte man die Sportflugplätze, gut ausgebildete, motivierte Leute und jede Menge Nachwuchs für die Gesellschaft für Sport und Technik. Aber, wie sich nach der Wende rausstellte, existierten in Thüringen auch noch ganz andere Pläne: Die Autonome Gebirgsrepublik Thüringen.

Hinter dieser liebevollen Bezeichnung für das kleine Fleckchen Erde südlich der Autobahn Eisenach-Dresden und westlich jener von Berlin nach Plauen verbarg sich eine ganze Reihe Hinter- und auch Abgründe. Da war das Schaufenster der Republik, unser aller Berlin, Hauptstadt der DDR. Dort wurde der Welt die Leistungsfähigkeit des DDR-Sozialismus demonstriert. Dorthin wurde alles gebracht. Auch Thüringen plünderte man dafür aus. Den Sozialismus galt es, wenn überhaupt, zuerst in Berlin zu errichten. Dazu bewegten sich Arbeitskräfte und Material jeden Montag in Richtung Hauptstadt.

Doch das starrsinnige Bergvölkchen, dem Ärzte aus diesem Grund das Südthüringer Stammhirnsyndrom angedichtet haben, ist schon mit anderen Gesellschaftsordnungen klar gekommen. So hat auch zu DDR-Zeiten in jedem Keller irgendeine Maschine gerumpelt und der Erfindungsreichtum der Waldkautze sagte der Mangelwirtschaft den Kampf an. Ein schlauer DDR-Ökonom, denen man nachsagte, dass, wenn sie die Sahara zu verwalten hätten, der Sand irgendwann knapp würde, machte aus der Not eine Tugend. Jeder Betrieb wurde angewiesen (das soll in einer zentralen Planwirtschaft relativ einfach funktionieren), Konsumgüter (Dinge, die es nicht gab, für die aber Geld in Umlauf war) zu produzieren und zu vermarkten. Dadurch legalisierte man den ohnehin schon vorhandenen, illegalen und unkontrollierten Handel der Betriebe untereinander, der einfach teilweise der puren Aufrechterhaltung der Produktion, aber auch der persönlichen Bereicherung einzelner diente. Einige wenige Betriebe wurden auch durch Günstlinge der Partei und Staatsführung geleitet und besaßen zusätzliche Freiheiten. Mit angehäuften transverablen Rubeln war solch ein Betrieb dann durchaus in der Lage, bei dem Segelflugzeughersteller PZL in der Volksrepublik Polen ein Segelflugzeug zu ordern. Der Besitz von jeglichem ungemeldetem Luftfahrtmaterial, dazu zählten auch Aluminiumrohre oder Segeltuch, war ab 1979 strengstens verboten. Für reiche Betriebe gab es Ausnahmen. Die durften schon mal als Halter von Luftfahrzeugen auftreten.

Zu den Abgründen der Gebirgsrepublik zählten sicherlich die Autonomiegedanken von H. A. und Genossen. Die Suhler Führungsriege beabsichtigte tatsächlich eine Abspaltung von der Republik als Rettung des Sozialismus auf deutschem Boden. Zusammen mit seiner Stasistreitmacht wurde das Machtszenario entwickelt, wie der Weggang tausender wertvoller Menschen gestoppt werden konnte. Das es so etwas gab, war unterschwellig zu spüren.

Die Gebirgsrepublik braucht auch einen Flugplatz, möglichst in der Nähe der Hauptstadt Suhl. Da kamen die Flieger ohne Flugplatz gerade recht. Damit der Flugplatz stetig wächst, obwohl er in seinen beiden Startrichtungen von Tälern begrenzt wird, begann man mit der Eröffnung der ersten Müllkippe am Westende. Später wurde die Kippe an das Ostende verlagert und zum Schluss wieder nach Südwesten. Immerhin verlängerte sich der grüne Flugzeugträger um einige hundert Meter durch über 20 Jahre Anlagerung von Müll.

Außer, dass es manchmal gotterbärmlich stank und loses Papier oder Kunststoff durch die Gegend flog und bis heute niemand Golf drauf spielen will, hatte die Kippe keine erkennbaren Nachteile, über die verborgenen spricht keiner.

Segelflug von einem 600 Meter über dem Meer gelegenem Platz, umgeben von bewaldeten Mittelgebirgszügen hat den Vorteil, dass immer was geht. Irgendwoher kommt ein Windhauch, bringt eine Hangkante zum Tragen, die Sonne braucht durch die günstige Hangneigung nur wenige Minuten um brauchbare Warmluftpakete zu erzeugen. Nur eventuell vorhandener Frost im Boden behindert den Abfluss von Schmelzwasser im Frühling. Dann taut die kräftiger werdende Sonne die obere Schicht an und das Wasser kann nicht weichen. Bodenbewegungen von Mensch Flug- und Fahrzeug werden zur Rutschpartie, später zu Schlammschlachten.

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