Geschichte(n), die niemand braucht! (5)

 

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Libelle Standard vom VEB Apparatebau Lommatzsch

Nach langem Nachdenken über meine Möglichkeiten, entschied ich mich für den Segelflug, denn diese Art von Fliegern waren von vornherein schon Helden, weil sie einfach etwas taten, was gemeinhin für gefährlich galt, aber offensichtlich zu überleben war. Außerdem schien es keine körperlichen Höchstleistungen zu verlangen und offensichtlich hatten die Flieger Spaß daran, denn sonst könnte man sich ja gleich und ausschließlich mit Frauen beschäftigen. Was ich damals nicht wusste: Segelflug hat schon ein gewisses Suchtpotential und das führt immer wieder zu Konflikten. Ich musste lernen mit meiner Sucht zu leben.
Glück kann man übrigens auch lernen: Hier nachschauen!

Sucht ausleben: mit der ASH 25 in den französichen Seealpen. Danke Alex!

Mein Vater hat irgendwann mit uns Kindern mal Modellflugzeuge gebaut, um uns an die Luftfahrt heranzuführen. Die haben wir dann von einem Hang, oberhalb des Dorfes hinunter geworfen und stets sind sie irgendwie in Gartenzäunen hängen geblieben. Das haben wir dann aufgegeben. Ja, wenn der Flieger so groß wäre, dass man sich selber reinsetzen könnte.

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FES Lehrmeister in Suhl

Zu dieser Zeit produzierte die junge Republik in Lommatsch und Gotha gerade eine Segelflugzeugfamilie, die den Bedarf der vielen Segelfluggruppen nach zeitgemäßer Technik decken sollte, für die man nicht jedes Ersatzteil selber basten musste. Während das Werk in Lommatsch eigens zu diesem Zweck errichtet wurde, hatte die Produktionsstätte im Waggonbau Gotha Erfahrungen im Bau von Lastenseglern. Der junge Segelflugzeugbau in der DDR erreichte sehr bald Weltniveau.

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Libelle-Laminar mit Aluminium-Kaschierung für das Laminarprofil

Konusbolzen, automatische Ruderanschlüsse und mit Duraluminium kaschierte Flügeloberfläche als technische Finessen der damaligen Leistungssegelflugzeuge, waren ihrer Zeit weit voraus. Die Libelle-Laminar hatte mit einer Spannweite von 16,5 m eine maximale Gleitzahl von 36 bei 88 km/h. 22 Stück wurden von diesem genialen Segelflugzeug gebaut.

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Segelflugzeugwerk Lommatsch 1959, Foto: Holger Lorenz

Die Entwicklung beim VEB Apparatebau Lommatzsch gipfelte im Favorit, einem Hochleistungseinsitzer mit 15 m Spannweite und der Gleitzahl 38 bei 90 km/h. Mit solchen Maschinen purzelten dann auch die ersten nationalen Rekorde. Adolf Daumann flog das erste 500 km Dreieck auf deutschem Boden.

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Der letzte Favorit im Deutschen Segelflugmuseum Wasserkuppe Bild: Wo st 01 / Wikimedia Commons, via Wikimedia Commons

Die Flugsportgruppen erhielten nach und nach die moderne Technik unentgeltlich zur Nutzung. Der Doppelsitzer FES Lehrmeister ermöglichte den Übergang von der reinen Einsitzerschulung (SG 38) zur Anfängerausbildung mit Schüler und Lehrer in einem Segelflugzeug. Sicherheit und Effektivität stiegen und die Fangemeinde des Flugsports stieg.

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2015: 60 Jahre Klix und ein FES Lehrmeister wird flugklar gemacht

Zur Hoch-Zeit der DDR Segelflugzeuge rannte ich noch in Kurzen Lederhosen rum und bestaunte die Helden der Lüfte. Als Flugschüler und junger Scheininhaber durfte ich die Libelle und die „Kartoffel“ (liebevoll für FES Lehrmeister) noch selbst fliegen. Und freundlicherweise 2015 in Klix.

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Flugvorführung der GST auf einer Wiese. Ich könnte einer der Kerle im Hintergrund gewesen sein.

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