Geschichte(n), die niemand braucht (15)

 

So sahen wir damals aus. Quelle: http://home.snafu.de/veith/ohs.htm

Als Highlights in den ersten 18 Monaten waren S(t)imulatortraining, Fallschirmspringen und viel Sport angesagt. Das lockerte die Theorie etwas auf und brachte uns auf andere Gedanken.

Die Fülle des dargebotenen Fachwissens zur Fliegerei, das wir gierig aufsaugten und die Chance, zur zivilen Fluggesellschaft der DDR, der Interflug zu kommen, ließen mich zielstrebig auf die Bewertung „Sehr Gut“ in allen Spezialfächern hinarbeiten. Den ständig fragenden Genossen erklärte ich, dass ich noch nicht reif und würdig genug für ihre Partei sei und dass ich hart daran arbeite. Der Packt mit der Dummheit war aufgeschoben und viel Freizeit gewonnen, denn die Genossen versammelten sich oft und gerne nach Feierabend. Klar – ewig konnte das nicht gut gehen. Es gab ja auch vorbildliche Genossen, die all das lebten, was ich mir so vorstellte. Zwei meiner „Vorbilder“ hatte ich dann auch befragt, ob sie für mich als Kandidat der SED bürgen würden. Aber es sollte alles ganz anders kommen…

Die Hochschule verfügte über ein modernes Schulgebäude mit einem großen, an den Längsseiten vollständig verglasten Hörsaal, in dem alle Offiziersschüler der Einrichtung zur gleichen Zeit Platz hatten. Der Eingang war im zweiten Stockwerk, die 10 Meter breite Wandtafel hing unten zu ebener Erde.

Der Hörsaal wurde wenig benutzt, da die verschiedenen Fliegergattungen deutliche Unterschiede in der Ausbildung hatten und nur wenige gemeinsame Veranstaltungen dort abgehalten wurden. Ich lernte im Ausbildungsprofil Militärtransportflieger. Die Ausbildung sollte den Einsatz als Militärtransportflieger, aber auch als Berufspilot der Interflug gewährleisten. Die Interflug bildete seit Jahren nicht mehr selbst aus. Nationale Volksarmee und Fluggesellschaft hatten einen Vertrag über die Lieferung entsprechenden Menschenmaterials. Darum hörten wir Englisch bei einem Lehrer im Hochschuldienst, dem Herrn Labs, der kurioserweise während meiner Zeit in Bautzen, dort seinen Grundwehrdienst absolvierte. Herr Labs hatte eben noch lange, lockige schwarze Haare und bunte Kleidung an und plötzlich stand da Genosse Soldat Labs in der gleichen unbequemen Filzuniform wie wir mit abgefressen aussehenden Haaren und erklärte uns, dass wir als OS einen höheren Dienstgrad als er hätten und trotzdem auf ihn hören müssten, es sei denn, ein Offizier beträte den Raum. Dann müsste der Zughelfer die Meldung an den eintretenden, ranghöheren Offizier wie folgt von sich geben: „Genosse Irgendwer“, sagte er zu dem Zughelfer, „Dritter Zug und Soldat Labs bei der Englischausbildung, OS Preis. Vergessen sie bitte den Soldaten nicht, sonst muss ich mich noch mal extra melden.“ Oft genug kam es vor, dass der Soldat die Meldung machte, weil wir es einfach nicht gewohnt waren, von einem Untergebenen unterrichtet zu werden. Soldat Labs war wohl der einzige seines Ranges mit einem eigenen Dienstzimmer. Dort haben die Kumpels aus seiner Kompanie immer heimlich ein Bier gezischt. Dazu muss man wissen, dass der Konsum von Alkohol in den Kasernen der bewaffneten Organe der Republik strengstens verboten war. Die Folge war die heimliche Trinkerei von konzentriertem Alkohol, da sich das Schmuggeln so schwacher Getränke wie Bier oder Wein gar nicht lohnte. So ein Null-Siebener Rohr mit Blauem Würger für 7,80 M konnte 3 Freunde einen Abend lang glücklich machen. Nach Leerung des Rohres schob man eine Deckenplatte zur Seite und warf die Pulle in den Zwischenboden unters Dach der Baracke. Irgendwann hat sich eine Deckenplatte mal so weit durchgebogen, dass der Stabschef nachschauen ließ. Hunderte leerer Flaschen purzelten auf den Barackenboden und konnten so unter dem schallenden Gelächter aller wieder der Sekundärrohstofferfassung zugeführt werden.

Den besten und billigsten Alkohohl gab es zur Enteisung des Blisters beim Flugzeugtyp Antonow 26. Ein mehrere Liter fassender Behälter wurde vom Bodenpersonal vor jedem Flug randvoll aufgefüllt. Dafür und auch für die Entleerung während des Fluges unterschrieb der Bordtechniker. Realisiert wurde das während des Fluges mittels eines Benzinschlauches in mehrere leere Colaflaschen. Aufgeteilt wurde gerecht, denn keiner wollte Alkoholmissbrauch durch den anderen zulassen.

Eine andere Alkohohlgeschichte fand jedes Wochenende statt. Ein Drittel der Mannschaft musste am Standort bleiben, um die ständige Gefechtsbereitschaft zu sichern. Für diese Leute gab es verschiedene Wochenendjobs, damit ihnen die Zeit in der Kaserne nicht zu langweilig werde. Einer bestand darin, am Band in der Schnapsbrennerei Wilthen zu arbeiten. Als Lohn gab es eine Flasche Feinen Alten Wilthener pro Nase. Dieser war im Handel selten und durfte bis zum Urlaub beim Hauptfeldwebel gelagert werden. Dort wurde das Getränk immer dünner und die Nase von Genosse Katzig immer dicker und roter.

Mach was für dich:

Flugangst bekommen? Hier geht sie weg!

Abnehmen? Damit gehts!

Wünsch Dir was – aber richtig!

Zurück zur Fläche

 

Ich verabschiede mich hiermit wieder vom Tragschrauberfliegen. Das rotierende Blatt über meinem Kopf bleibt mir unheimlich und wird wohl nie mein Freund. Mit Hochachtung blicke ich auf die Zauberer der Tragschrauberszene. Es ist Fliegen der anderen Art,  aber nach ein paar Runden im Gyro kommt mir Segelfliegen paradisisch vor. Siehe Mach´s gut 90 -letzter Flug mit dem Duo.

Hier putzt der Flugingenieur

 

Einen solchen Flieger im Winter bei Minusgraden zu putzen ist nicht ganz so einfach. Dabei dachte ich an die Jungs von Buffalo aus Canada und hatte ab Mittag die Sonne als Auftauhelfer für den Reiniger.

Mit dem kleinen Zubringer habe ich noch ein paar spezielle Pflegemittel und einen Staubsauger eingeflogen.

Laacher See mit Neuwieder Becken im Hintergrund
Düstere (Feier)Abendstimmung
Ausprobieren!

 

Geschichte(n), die niemand braucht (14)

 

Für mich, wie für viele andere, ist während der langen, kalten Winternächte 1979 im Lausitzer Braunkohlerevier ein Teil unserer Weltanschauung zusammengebrochen. Bis dahin hatte ich der sozialistischen Gesellschaft so weit vertraut, dass ich bereit war, persönliche Pläne für meine Zukunft zu verwerfen und das Waffenhandwerk zu erlernen, weil mein Land das von mir verlangte. Nun sah ich die bodenlose Schlamperei in diesem Braunkohletagebau, verursacht von Helden der Arbeit, ich erlebte das verlogene Hervorbringen neuer Helden, trinkfest und dumpf im Klopfen von proletarischen Sprüchen: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!“ Zum ersten Mal spürte ich das rücksichtslose Streben der Dummen nach der Macht, die es ihnen dann erlaubte, die Schlauen in die Knie zu zwingen. Damals dachte ich: das kann doch nicht sein! Mit Niemanden konnte ich darüber sprechen. Ich habe es in meinen Gedanken versteckt und nur manchmal in Geschichten eingebaute Denkmuster in mein Top Sekret Buch geschrieben, einfach um es von der Seele zu haben. Auch kann ich mich an zwei Briefe aus dieser Zeit erinnern, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Der eine war an meine Eltern und beinhaltete eine selber zusammen gebastelte Begründung, warum ich diesen Beruf ausüben sollte und der andere an mein Vorbild Fritz Fliegauf, bei dem ich mich über das Übermaß an Dummheit beschwerte. Nein, es war nicht die Überheblichkeit eines Abiturienten gegenüber dem Proletariat. Unter Dummheit verstand und verstehe ich das Ignorieren, Schönfärben oder sich passend zu Recht lügen der Realität, ausgehend von der Schlussfolgerung, welche man gerne ziehen will. Sozialpolitische Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens in der DDR und verstärkte Aufrüstung, ohne die notwendigen Finanzen im Hintergrund, trieben eine große Idee in den Ruin. Das ganze nannte sich Klassenkampf und war natürlich vom Gegner aufgezwungen. Dieses Argument diente immer wieder gerne zum Zudecken der eigenen Fehlbarkeit. Damals dachte ich, es wäre ein Phänomen der entwickelten sozialistischen Gesellschaft auf dem Weg durch die weite Ebene hin zum klassenlosen Kommunismus. Dass es mal in der spätkapitalistischen Gesellschaft ein unverzichtbarer Teil der Staatsdoktrin werden würde und dass ich das dann auch noch erleben durfte, davon hätte ich nicht zu träumen gewagt.

Irgendwann wurde es wärmer und wir bezogen wieder unsere Vierbettzimmer im Plattenwohnblock der Kaserne. Auf fünf Etagen verteilten sich über 300 Offiziersschüler. Alle standen zur gleichen Zeit auf, das dritte Lehrjahr ging zu Morgentoilette, die anderen beiden zum Frühsport: 1500 m auf Kopfsteinpflaster und Panzerkettenglieder stemmen, danach war man wirklich wach. Alle stürmten zu den Wasserhähnen, um sich zu rasieren und die Zähne zu putzen und jeder drehte das Wasser auf und ließ es laufen. Der Wasserdruck ist jeden Morgen zusammengebrochen und die Rasiercreme landete im Handtuch. Im Gebäude wohnten einfach doppelt so viele, wie baulich vorgesehen. Wirklich für sich, also mit sich alleine, war man nur in seinen Träumen.

Das so genannte Studium bestand zu 100 Prozent aus Pflichtveranstaltungen In allen Fächern. Es beinhaltete zu etwa 40 Prozent Marxismus-Leninismus. Die Lehrer für diese gesellschaftswissenschaftliche Ausbildung, waren entweder zu keiner anderen „Wissenschaft“ fähig, oder/und Dummschwätzer. Aber es war auch ein Philosoph dabei. Jede Stunde bei dem war ein Genuss: auf jede Frage eine Antwort. Dieser Mensch hatte folgendes begriffen: wenn ein Pilot anfängt sich etwas vorzumachen, sich selbst und andere anzulügen, wird bald gestorben. Als Vertreter der reinen Lehre, fiel es ihm nicht schwer, alle Probleme auf den Kampf der Arbeiterklasse mit den Imperialisten zurück zu führen und die betreffenden Stellen aus den Klassikern des Marxismus/Leninismus zu zitieren. Als gebildeter Mensch mitten zwischen den Dummschwätzern stellte er für mich die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft dar. Mit seinen 55 Lebensjahren, glaubte ich ihm einfach seine Erfahrung und Zuversicht. Wenn es so einer hier aushält, dachte ich, kann der Laden gar nicht so schlecht sein und fasste neuen Mut.

Die fachliche Ausbildung in Aerodynamik/Flugmechanik, Flugzeugkunde, Navigation, Meteorologie, Elektro-–, Spezialausrüstung, Funk–, Funkmessausrüstung sowie Bewaffnung, Strategie und Taktik, fremde Streitkräfte, war sehr umfangreich und solide. Die Lehrer im Hochschuldienst rekrutierte die Schule während der ersten Jahre ihres Bestehens direkt aus der Truppe, später von der russischen Militärakademie, die man erst nach mehrjährigen Einsatz in der Truppe besuchen durfte. Unsere Lehrer waren erfahrene Genossen, die wussten, wovon sie sprachen. Sie hatten im großen Land, wie wir die Sowjetunion liebevoll nannten, Erfahrungen an modernsten Kriegswaffen gemacht, waren als Beobachter im Afganistan-Einsatz. Unsere Lehrer hatten bei der Roten Armee gelernt, die seit dem zweiten Weltkrieg nie aufgehört hatte zu kämpfen. Irgendwo gab es immer einen Krieg wo sowjetischen Truppen offen oder verdeckt zum Einsatz kamen. Die Lehren des Großen Vaterländischen Krieges hatte die Sowjetunion mit 16 Millionen Toten bezahlt. Niemals wieder sollte ein Überfall auf dieses Land gelingen. Wir kamen uns mächtig klein vor mit unserer Antonov 2

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Flug in die (k)alte Heimat

 

Berlin und Leipzig… eine halbe Ewigkeit her, dass ich da mal gewesen bin. Überall bekommt man Geschichten erzählt: BER wird nie fertig! Abiss ist die preiswertete Lösung! Jeden Tag kostet BER eine Million! Inzwischen hat man dem alten Flughafen ein neues Terminal gegönnt. Die Allgemeine Luftfahrt hat eine Terminal ohne Verkehrsanbindung, nur Taxi. Inzwischen werden unbenutzte Hallen abgerissen, weil sie im Weg stehen. Chaotisch, keiner übernimmt Verantwortung. Ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Alter Parkplatz (war ich schon 1983 Dauerparker) und altes Abfertigungsgebäude Berlin-Schönefeld

Leipzig hat schon jetzt die Größe und die Verkehrsanbindungen von denen BER träumt: 13 Minuten bis zum Hauptbahnhof und das ohne Magnetschwebebahn. Aber man rollt sich einen Wolf: Autobahn und Eisenbahnstrecke verlaufen mitten durch das Flugplatzgelände. Und das ist riesig.

Dort wo die Wolken zu Ende sind liegt Leipzig
Landekurve Flughafen Leipzig/Halle
Anflug Leipzig/Halle bei Super-Sicht
Das ist nicht mal die Hälfte des Flughafens
Brücke über Autobahn und Eisenbahn
Beech-Treffen in Leipzig

Geschichte(n), die niemand braucht (13)

 

Die Freude währt jedoch nur eine Stunde. Gerade sind wir fertig mit dem Essen, kommt der Befehl: Alles raustreten, der Kohlezug steht auf der Strecke, Spitzhacken und Schaufeln mitnehmen, wir marschieren hin. Die verschneiten Gleise entlang, stapfen wir die drei Kilometer zum Zug. Einer der Waggons hat sich zur Seite entladen und die nasse Kohle friert gerade auf den Gleisen fest.  Die Verriegelung einer seitlichen Klappe muss aufgesprungen sein. Wir hacken und schaufeln wie um unser Leben. Immer wieder müssen wir zurücktreten, weil die Zugbesatzung das Anfahren testen will. Nach endlosen Versuchen bewegen sich unzähligen Tonnen verbeultes Eisen und gefrorene Rohbraunkohle Richtung Kraftwerk. Total erschöpft wanken wir in der Dunkelheit die Gleise entlang zurück und werden sofort in unsere Quartiere gefahren. Dort gibt es nach einer heißen Dusche eine Ration Grubenschnaps. In dieser Nacht ruft die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik den Ausnahmezustand aus und übergibt die Leitung der Grube an die Nationale Volksarmee. Nun werden die ganz großen Spielzeuge rausgeholt: zum ersten Mal sehe ich ein Bergungsgerät für Panzer. Das Ungetüm sieht hypermodern aus. Mühelos fährt auf 16 einzeln elektrisch angetriebenen, mannshohen Rädern. Im hinteren Teil treibt ein Dieselmotor den Generator führ den Fahrstrom und die umfangreichen Extras an. Der Fahrer und weitere 10 Menschen finden in einer voll hermetisierbaren Kabine Platz. Mit dem Fahrzeug sollen wir uns um Brücke und Gleise kümmern.

Nach zwei Tagen Militärdiktatur in der Grube rauchen wieder alle vier Schlote des gigantischen Braunkohlekraftwerkes am Ende der Gleise. Die Zeit der Hau-Ruck-Einsätze weicht einer festen Arbeitseinteilung. An Problemstellen stehen uns Kohlekumpel mit ihrem Fachwissen zur Verfügung. Eigentlich stehen sie uns eher des Öfteren nicht zur Verfügung, da der Grubenschnaps nachts die Runde macht. In Abwesenheit des Fachwissens greifen wir wieder zum Bagger und befreien die Umlenkstation großzügig von heruntergefallender Kohle. Das verschafft uns Freizeit. Wir trocknen Rohbraunkohle am offenen Feuer um einen Bauwagen zu heizen um Doppelkopf zu spielen. Wolfgang  besucht den trunkigen Kumpel auf der Bandumlenkanlage und gerät in eine Inspektion von Vorgesetzten: Wolfgang  wird als Held der Arbeit ausgezeichnet, weil er irgendwelchen Inspektoren bei deren nächtlichem Besuch erklärt, dass der schlafende, betrunkene Kumpel hier neben ihm für die Bandumlenkanlage zuständig ist, aber er, der Offiziersschüler, eigentlich diesen Job aus innerer Überzeugung macht. Held der Arbeit war nicht irgendein Orden, er war nahe am späteren Begräbnis auf Staatskosten. Stellvertretend für uns alle erhielt er seinen Orden.

Es traf schon den richtigen Mann: Wolfgang hatte die unangenehme Eigenschaft der verbalen Leitfähigkeit. Ihm kund getane Meinungen oder bekannt gewordene Informationen wussten stets auch andere: aufgeschnappte Informationen werden weitergeleitet an Vorgesetzte. Diese Leute wiederum teilen Dir dann ihr Wissen über dich mit, um zwei Sätze später ihre Verschwiegenheit zu betonen: „Das bleibt natürlich alles unter uns!“ Und schon ist man erpressbar. Dabei wäre ein einziges reinigendes Gewitter ausreichend gewesen um fehl gelaufene Dinge entsprechend der geltenden Spielregeln in Ordnung zu bringen. Aber so tickte sie nun mal, die Macht in der DDR.

Das Tageslicht verschlafen wir im Arbeiterwohnheim Weisswasser des Braunkohlekombinates Schwarze Pumpe. In dem Plattenbau herrschen angenehme Temperaturen, man kann warm duschen und es gibt richtige Betten. Ich kaufe mir am Zeitungskiosk englische Rätselheftchen und versuche ein paar neue Vokabeln zu lernen. Das Gehirn verlangt einfach nach Futter und Betätigung. Meine Zimmergenossen können nicht verstehen, dass ich die Schlafenszeit mit anderen Dingen verbringe und ich habe meine erste und einzige Prügelei. Es geht eigentlich um die Ausübung von Macht meines Freundes Uli, der nach dem Rotationsprinzip jetzt Gruppenführer ist und über mir steht. Macht verändert die Menschen. Das am eigenen Leibe zu begreifen, ist Teil unserer Ausbildung. Freundschaften dürfen keine Rolle spielen, wenn ein Vorgesetzter seine Unterstellten auf eine Mission in den sicheren Tod schickt. Ich ertappe mich, darüber sinnierend, einen ungeliebten Menschen im so genannten Ernstfall aus dem Weg zu räumen. Es würde bei dem Töten und getötet werden wahrscheinlich gar nicht auffallen. Nachdem die Szene in meinem Hirn mit konkreten Personen abgelaufen ist, schäme ich mich abgrundtief dafür. Wie konnte ich nur auf so einen Gedanken kommen? Denken die anderen auch so? Ist das im Sinne unseres sozialistischen Menschenbildes, dass wir bereit sind, wie Tiere aufeinander loszugehen?

Winter-Flug mit der Robin DR 401

 

Fliegen im Winter bei Traumsichten ist schon etwas ganz Besonderes. Wenn der Flieger dann auch noch eine Heizung, einen absolut sanft laufenden Diesel und die Instrumentierung eines Airliners hat, wird Fliegen zum Hochgenuß. Mal ganz abgesehen von der Flugstrecke: einmal rechtsrum unter dem Charlie-Deckel von Frankfurt durch, mit Zwischenlandung in Aschaffenburg. Hier sind ein paar Fotos:

Start in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Blick auf die Stadt und die Eifel
Vorbei am Zusammenfluss von Rhein und Mosel: Koblenz
Über den Taunus: der Feldberg
Die Skyline von Mainhatten
Anflug Aschaffenburg
Zurück südlich FFM über Bingen: Blick auf Taunus und Rhein
Der Hunsrück mit seinen Windgeneratoren
Der Laacher See mit beginnender Eisbildung

Ein guter Weg nach oben:
SYNC YOUR MIND FOR SUCCESS

Oder gleich so:

 

Geschichte(n), die niemand braucht (12)

 

Panzer fungieren als Schneeräumfahrzeug im Tagebau. Bildrechte: MDR/HA Kommunikation

Zufällig gibt es eine Sendung des MDR heute Montag, den 16.01.2017 im ERSTEN (ARD) zum Text:

Entwicklung der Braunkohleindustrie Winterschlacht in der DDR

Während sich unsere Körper schnell an die neuen Belastungen gewöhnen, stumpft der Geist allmählich ab. Ich habe gerade mein Abitur in einer humanistischen Schule abgelegt und komme mit den preußischen Gepflogenheiten des Militärs nicht klar. Befehl und Gehorsam sind mir zu wider. Nur mein Wunsch, Flieger zu werden hält mich bei der Stange. Auch das ist den Genossen bewusst und sie kommen irgendwann zu mir mit einem Zettel, der mit Zweitverpflichtung überschrieben ist. In dem Dokument, welches ich unterschreiben soll, steht Folgendes: Im Falle medizinischer Untauglichkeit für den Einsatz als Flugzeugführer, verpflichte ich mich, die Stelle als Offizier einzunehmen, an der mich die Partei der Arbeiterklasse am dringendsten braucht. Ich erkläre dem Sekretär der Partei, dass ich das so nicht unterschreiben kann, da ich hierher gekommen bin um Flieger zu werden. Das ist mein Talent. Wenn das nicht mehr geht, muss ich neu entscheiden. Mit dieser Auffassung kannst du aber nicht Kandidat der Partei werden, erklärt mir Genosse Pasch und ich verspreche es mir zu überlegen. In der folgenden Zeit heftet sich Paschs alter Fliegerkumpel Straßburg, der als OS in meinem Zug dient, an meine Fersen um mich auszuhorchen. Es ist unangenehm, weil ich nun auch noch aufpassen muss, was ich wem in wessen Anwesenheit erzähle.

Langsam geht es auf den Winter zu und der wird dann auch befohlen, wie alles in der Armee. Wir tragen nun eine furchtbare Filzuniform, die noch aus Zeiten des alten Fritz stammen muss. Nun sind wir über jeden Tag glücklich, an dem wir in eine andere, der vielen zur Verfügung stehen Verkleidungen schlüpfen können.

In diese Zeit fiel der strenge Winter, der zum Jahreswechsel 88/89 begann. Wir hatten keinen Urlaub und gerade die Büchse Nordhäuser Doppelkorn geleert, welche mein Nachbar sorgfältig verschlossen hatte, damit ich sie, als Leberwurst getarnt, in die Kaserne schmuggeln kann. Plötzlich gingen die Sirenen und Hupen: Gefechtsalarm! Alles mitnehmen, kein Probealarm! Aufsitzen auf Lastkraftwagen Typ W50 und Abfahrt in Dunkelheit und Kälte. Rumstehen im Kinosaal eines Kulturhauses irgendwo in der Niederlausitz, spekulieren, rauchen, frieren, aufsitzen, zurück, ausschlafen. Der nächste Tag bringt die Verlegung in ein Arbeiterwohnheim in Weiswasser mit dem Auftrag: sozialistische Hilfe bei den Kohlekumpels.

12 Stunden Nachtschichten waren angesagt. Ich glaube, die Republik hat in diesen Tagen ernsthaft ums Überleben gekämpft. Mit Schaufel haben wir im Licht der Sterne und des Mondes an kilometerlangen Bandanlagen gestanden und geschaufelt um nicht zu erfrieren. Auf dem Band liegt nasse Braunkohle, die beim Herunterfallen sofort anfriert. In der zweiten Nacht wird ein Genosse vom Band erfasst und stirb auf dem Weg ins Krankenhaus. Tagsüber erledigt das Freihalten des Bandes ein Kumpel mit einem Bagger. Dem ist aber die Republik nicht so wichtig, dass er nachts arbeiten will. Nach einer Stunde Zuschauen kennen wir die Technologie, wie, wo der Bagger gestartet wird und das Dieselfass steht und benutzten einfach das Gerät. Das verkürzt unsere effektive Arbeitszeit von 12 auf 4 Stunden. Den Rest der Zeit verbringen wir mit Schlafen und Doppelkopfspielen in einem Bauwagen, den wir mit Braunkohlenbrikett heizen, da die Rohbraunkohle eigentlich nur besserer Dreck ist und direkt vom Band niemals zuverlässig gebrannt hätte. Das geht nur zwei Tage gut. Die Fördermenge hat sich stabilisiert, die Kohle kommt aber nicht im, nur wenige Kilometer entfernten Kraftwerk an. Das hat folgende Ursache: Ausgangs des Tagebaus existiert noch mal eine Art Minitagebau mit Förderbrücke. Die Kohleförderbänder aus der Grube entladen sich im Förderbereich der kleinen Brücke und bilden dort Braunkohleberge, eine Art Puffer. Die kleine Brücke baut dann ihrerseits den Puffer ab und schüttet die Rohbraunkohle in Züge, welche direkt zum Kraftwerk fahren. Die Quecksilbersäule steht jetzt stabil auf 28 Grad unter null. Heruntergefallene Kohle ist angefroren und blockiert die Verladebrücke auf dem Gleis. Mit Spitzhacke und Schaufel kämpfen wir die halbe Nacht am Gleis. Die Nacht ist kristallklar und der Mond beleuchtet die vier riesigen Schornsteine des Kraftwerkes, von denen nur noch einer qualmt. Wir spüren, dass es hier ums nackte Überleben geht. Niemand braucht uns zu agitieren. Trotz freier Gleise bewegt sich die Förderbrücke keinen Millimeter. Da die Grubenleitung nur damit beschäftigt ist, den Bergbauminister telefonisch zu beschwichtigen, kann sie ihrer Aufgabe, Ursachen zu suchen und Entscheidungen zu fällen nicht nachkommen. Wir stehen in der Kälte herum und diskutieren. Unter uns sind Schiffbauer, Baumaschinisten, Leute, die in allen möglichen Berufen gearbeitet haben und sich dieses Elend nicht länger ansehen können. Mit Brecheisen werden die Verkleidungen der Radantriebe geöffnet. Wir stellen fest, dass nur noch 30 Prozent der Elektromotoren in den Antrieben sitzt, die anderen fehlen: als Ersatz anderswo gebraucht oder geklaut. Schlamperei! Wir funken den inzwischen gebildeten militärischen Führungsstab des Tagebaus an und man verspricht uns zwei Panzer. Wir organisieren Stahltrossen und tragen sie zur Brücke. Inzwischen sind die Panzer schon vor Ort. Wir hängen die Trossen um die Antriebe der Brücke und an die Haken der Panzer, begeben uns in sichere Entfernung. Die Panzerbesatzungen verstehen ihr Handwerk: ächzend und schaukelnd setzt sich die Brücke in Bewegung, die erst Kohle fällt donnernd in die, mit großen Eiszapfen besetzten, verrosteten Waggons, wir jubeln.

Spannend! Das hier ist auch eine spannende Geschichte:
SYNC YOUR MIND FOR SUCCESS

Mach´s gut 90 – letzter Flug mit dem Duo

 

Start zum letzten Flug der 90 von EDRA am 14.01.2017

Episch, hätte Benni gesagt! Ja, das war der letzte Flug mit unserem DuoDiscus 90. Während der vergangenen 15 Jahre waren wir mit ihm quer durch Mitteleuropa in der Luft und hat seinen Besatzungen viele fliegerische Erlebnisse gebracht.
Während der letzten zwei Jahre führte die 90 allerdings ein Schattendasein. Der Verein flog den neuen DuoDiscus XL. Wir dachten bei dessen Anschaffung, dass auch die 90 weiterhin gut ausgelastet sein würde… es kam anders: die Mitgliederstruktur wandelte sich hin zum motorisierten Fliegen. Nun wird die 90 gegen eine E-Klasse getauscht. Lautstärke regeln!
Leistungsmäßig kann der XL dem alten Du0 nicht das Wasser reichen, zumal der XL auch nach 2 Werksbesuchen noch immer nicht geradeaus fliegt. Im Handling und beim Platzangebot jedoch ist der XL ein echter Fortschritt. Das Sahnehäubchen: Kunstflug . Und er fliegt selbst in thermisch schlechten Jahren die Kosten rein.
Schade, ich wäre gerne zur nächsten Bad Breisiger Segelflugwoche (BBSW) mit zwei Duos angetreten: mit dem XL für die Ablenkungsmanöver und mit der 90 um zu gewinnen… mach´s gut 90! Hier ein paar Fotos vom letzten Flug.

Schlepp über HARIBO
Wolkenbasis Eifel
Der Duo steigt über die Wolken
Bad Neuenahr war 15 Jahre die Basis der 90

Geschichte(n), die niemand braucht (11)

 

Mit Maschinenpistole Typ Kalaschnikow, Kaschi genannt, Stahlhelm, Teil 1 (kleines Marschgepäck mit Essbesteck, Kochgeschirr, Schuhputz-, Wasch-, Rasier-, und Nähzeug, Ersatzkragenbinden und anderen, für kürzere Feldzüge absolut notwendige Dingen behangen, einen kessen Marschgesang auf den Lippen bewegen wir uns im Gleichschritt die Ausfallstraße unserer Garnisonsstadt entlang. An der Stadtgrenze geht es auf Feldwegen ohne Tritt (jeder geht wie er will, aber in der Marschformation) weiter, unterbrochen von imaginären Tieffliegern, für oder gegen die wir uns jedes Mal in den Straßengraben oder an den Feldrain werfen müssen, die MPi mit den Platzpatronen im Anschlag, wartend auf den Schießbefehl.

Das Übungsgelände ist ein zerfurchtes Hügelland mit Teichen, Tümpeln und etwas Wald. Über einen der Tümpel haben die Planer der Soldatenspiele ein Seil gespannt. Mit der weiter oben schon beschriebenen Ausrüstung soll ich über das Seil auf die andere Teichseite hangeln. Die Erfahrenen Krieger unter uns bewältigen das auf dem Seil liegend. Ich versuchte es hängend. Irgendwo über der Mitte des Wassers rutschen meine Hände ab, ich hänge eine Weile mit dem Kopf in der trüben Brühe, irgendwann folgen die Beine den Gesetzen der Schwerkraft indem sie sich von selbst aus den Stiefeln befreien, ich lande im Teich und die Maschinenpistole zertrümmert mein Nasenbein, mein Gesicht trieft vor Blut und Dreckbrühe, ich brülle die Welt mit derben Worten an. Meine Waffe versenke ich samt Stahlhelm im Tümpel, Frieden ist weniger nervig. Der erste, den ich um Hilfe frage übergibt sich sofort, der zweite tritt beiseite und der dritte zerrt einfach sein Verbandspäckchen aus der Beintasche und versorgt mich. Zehn Minuten später ist das Sanitätskraftfahrzeug da und es geht zum Medizinischen Punkt der Kaserne. Der Geschwaderarzt hat Langeweile und meine Verletzung kommt ihm gerade recht. Nach einer kurzen Untersuchung diagnostiziert er ein mehrfach gebrochnes Nasenbein und lässt mich zwecks Röntgenaufnahme in das städtische Krankenhaus bringen. Am späten Nachmittag kehre ich mit der Aufnahme in der Hand zurück und Dr. Wiener beginnt sofort mit der Behandlung. Mit Pinzette und Tampons richtet er vorsichtig den zersplitterten Knochen. Mehrere Tage ernähre ich mich nur von Puddingsuppe, durch eine Schnabeltasse gereicht. In meinem Krankenzimmer lebt neben mir ein Simulant. Er klagt über Schmerzen in der Brust und freut sich nach jeder Visite diebisch, wenn ihm der Doktor einen weiteren Tag ohne Dienst gewährt. Die Genossen Offiziersschüler (OS) aus meiner Kompanie besuchen mich täglich, bis ich irgendwann schuldbewusst nach dem Verbleib meiner Waffe erkundige. „Die steht in der Waffenkammer und rostet vor sich hin. Wenn du sie nicht putzt, gehst du dafür in den Bau“, erklärt mir mein Zughelfer, der dem Zugführer direkt unterstellte OS. „Wie soll ich denn hier meine Kanone Putzen?“, frage ich zurück. „Lass Dir was einfallen, Alter“, antwortet er und geht. Das kann ja heiter werden, denke ich. Zum Glück gab es einen Genossen, der meine Waffe ordentlich eingeölt hat und ich konnte sie ohne größere Probleme reinigen. Nach meiner Entlassung aus dem MED-Punkt ging es mit den anderen in den ersten Erholungsurlaub. Vorher wurden wir „vereidigt“: ein großer Schwur auf die kleine Republik.

Die ersten 18 Monate hatten wir ausschließlich Theorie, bestehend aus allgemein-militärischer, spezial-fachlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Ausbildung, Mathematik, Russisch und Englisch. Dazu: Ausbildung an Schützenwaffen und militärische Körperertüchtigung. Die Tage beginnen mit 1500 Meter Dauerlauf in Stiefeln und Sportzeug und enden mit irgendwelchen politischen Versammlungen oder Pflichtfernsehen. Alle fallen total fertig in ihre Betten, um wenige Stunden später für einen Probealarm wieder aus dem Bett zu springen. „Genossen, was uns nicht umbringt, macht uns härter!“, ist der Slogan unserer Kompanieoffiziere. Damit wir Erfahrungen mit der Menschenführung bekommen, ist unsere Kompanie (66 OS) in 3 Züge (25/25/16) und unser Zug (16 OS) in 3 Gruppen unterteilt. Jede Gruppe wird von einem Gruppenführer befehligt, der Zughelfer hat in Abwesenheit des Zugführers das Kommando. Die vier OS einer Gruppe bewohnen jeweils ein Zimmer, die drei Gruppenführer, zusammen mit den Zughelfer, ein weiteres. Gruppenführer und Zughelfer rotieren innerhalb des Zuges. Unser Gruppenführer, Peter Götze, bringt es nicht übers Herz, die unangenehmen Dinge des militärischen Alltages an uns, seine Unterstellten weiterzugeben. Dabei versucht er, besonders korrekt seiner Vorbildrolle als militärischer Vorgesetzter gerecht zu werden und scheitert menschlich daran. Er schreibt sein Entlassungsgesuch und wird praktisch über Nacht von uns getrennt. Die in solchen Dingen erfahrenen Kompanieoffiziere haben Angst, dass es wie eine ansteckende Krankheit um sich greift. Peter wird vor versammelter Mannschaft zum Soldaten degradiert und auf der Stelle in die Wachkompanie des Flugplatzes, damit wir ihn nie wieder sehen, versetzt. Unsere Einheit hat ihren ersten Skandal.

Geschichte(n), die niemand braucht (10)

 

Wie schon gesagt: ALLES FREI ERFUNDEN…

Offiziershochschule der LSK/LV „Franz Mehring“

Das Jahr 1978 schnitt eine scharfe Kurve in meiner Lebenslinie. Ich hatte ein gutes Abitur hingelegt, den ganzen Sommer auf Flugplätzen verbracht, mich neu verliebt, meine Motorflugausbildung beendet und meinen neunzehnten Geburtstag gefeiert. Dann jedoch kam der Tag der Einberufung für mich. Am Tag davor ließ ich mir meine Haare kurz schneiden und nahm Abschied von Familie, Wellensittich und Thüringen. Am nächsten Morgen setzte ich mich in den ersten von vielen Zügen, die mich in die Oberlausitz, nach Bautzen bringen sollten. Unterwegs stiegen immer mehr bekannte Gesichter zu. Begegnungen von Flugplätzen oder „Überlebende“ der „Selektion“ vom Institut für Luftfahrtmedizin in Königsbrück. Sind meine Haare kurz genug? Was wird mit unseren Zivilklamotten? Darf man da rauchen? Banalitäten, die uns durch die Köpfe gingen.

Auf dem letzten Umsteigebahnhof war klar: diese Jungs wollen alle nach Bautzen. Ab da waren auch schon Uniformierte dabei. Dunkelgrünes Tuch mit himmelblau umrandeten Kragenspiegeln und silbernen Schwingen. Ein S auf dem Schulterstück. Was bedeutet das?

„Bahnhof Bautzen: Offiziersschüler auf dem Bahnhofsvorplatz antreten!“, tönt es aus dem Lautsprecher am Bahnsteig. Irgendwelche Leute in Uniform brüllen herum und versuchen aus den kofferbeschwerten, wie aufgeregte Hühner durcheinanderlaufenden Gestalten einen Zug aus Menschen zu formieren, der sich entlang der abgesperrten Straße in Richtung Kaserne bewegen sollte. Irgendwann gelingt das dann endlich und wir durchschreiten alle gemeinsam das Tor zu Freiheit in der umgekehrten Richtung.

Inzwischen ist es dunkel geworden und ich kann schemenhaft ein riesiges Karree aus älteren Kasernenbauten erkennen, in deren Mitte ein mehrstöckiger Plattenbau und ein dreistöckiges Glashaus mit treppenartig angeordneten, riesigen Fenstern steht. Im obersten Stockwerk des, etwa 60 Meter langen, 10 Meter breiten und fünf Stockwerke hohen Plattenbaus beziehen wir Quartier. Als erstes werden wir in Dreiergruppen in eines der hinteren Zimmer geschickt, wo 3 Friseurlehrlinge unserer Kopfhaare einheitlich auf vier Millimeter Länge kürzen.

Am nächsten Morgen weckt man uns mit der Trillerpfeife. Das Marschieren zum Essengebäude im Gleichschritt funktioniert noch nicht richtig – na ja, die Neuen eben. „Genossen Offiziersschüler, das ist für die nächsten drei Jahre ihre Bewegungsart“, brüllt uns der Kompaniechef persönlich an.

Puddingsuppe in Schokolade oder Vanille, Pflaumenmus aus riesigen Schüsseln, nasskalte Wurst in dünnen Scheiben, Brötchen vom Backwarenkombinat und Kaffee aus zerbeulten Aluminiumkannen mit wackeligen Henkeln. Schlangestehen für das Essen, reinschlingen. „Wir sind satt, alles auf!“. Schlangestehen, um das Geschirr abzustellen. Antreten zum Appell: „Guten Tag Genossen Offiziersschüler!“ Kurzes Schweigen, in das hinein einzelne Offiziersschüler „Guten Tag, Genosse Major!“ brüllen. „Ab morgen antworten Sie an dieser Stelle: Guten Morgen Genosse Major. Mein Name ist Major John! Ich bin Ihr Kompaniechef! Das hier ist Hauptmann Krosinski, mein Stellvertreter und Zugführer vom ersten, Hauptmann Pietsch, Parteisekretär und Zugführer vom zweiten und Oberleutnant Wolter, FDJ-Sekretär und Zugführer vom dritten. Das hier ist Stabsfeldwebel Kotzig, der Hauptfeld und Mutter der Kompanie. Die Diensteinteilung entnehmen Sie der Diensttafel am UvD-Zimmer (UvD = Unteroffizier vom Dienst). Der heutige Tag läuft wie folgt ab: Erstens: bis 12.30 Uhr Einkleiden in der B/A-Kammer (B/A = Bekleidung und Ausrüstung) Gebäude 15, unter dem Dach. 12.30 Uhr bis 13.15 Uhr: Einnahme des Mittagessens. 13.30 B/A-Apell. 15.00 Uhr: Versammlung der Genossen zur Gründung der Parteigrundorganisation. 17.00 Uhr: FDJ-Versammlung (FDJ = Freie Deutsche Jugend) mit Wahl der Leitung. 18.00 Uhr: Abendessen. 19.30 Uhr: Aktuelle Kamera (Hauptnachrichtensendung des Fernsehens der Deutschen Demokratischen Republik). 21.30 Uhr: Stubendurchgang der Zugführer, Zughelfer und Gruppenführer. 22.00 Uhr: Nachtruhe. Rauchen nur im Waschraum. Noch Fragen? Nein, keine. Gut! Genosse Oberleutnant!“ der Major richtet seinen Blick auf Oberleutnant Walter: „Lassen sie wegtreten!“. „Zu Befehl, Genosse Major!“, brüllt jener in Richtung Major John. „Kompanie stillgestanden! Wegtreten!“ „Das muss unbedingt geübt werden!“, setzt er mit seiner sich überschlagenden norddeutschen Stimme hinterher, als einige die Antreteordnung nicht, wie vorgesehen mit einer Linksdrehung um 180 Grad und einem deutlichen Ausfallschritt verlassen, sondern einfach losschlendern. In das Durcheinander brüllen nun die Zugführer hinein: „Erster Zug zu mir!“, „Zweiter Zug zu mir!“, „Dritter Zug zu mir!“. Wir werden der Größe nach in Antreteordnungen zu Marschformationen ausgerichtet und durchmessen das Kasernengelände mit Marschgesang. Nach zwei Tagen wissen wir worauf es offensichtlich ankommt: Rasur, Stiefelputz, Kragenbinde, Bügelfalte der Hose hinten sauber herumgeschlagen und in den Stiefel eingelegt und ordentliche Ehrenbezeigung zu jedem Vorgesetzten dem man begegnet. Unsere militärische Grundausbildung kann beginnen. Meine Frau fasste den Inhalt später treffend mit dem Ausdruck: „In die Pfütze fallen“, zusammen.

 

Winterwetter

 

Mitteleuropa ist von einer lederartigen Wolkenhaut überzogen – wir nennen es Winterwetter. Nur die Alpen schauen raus.

Sonnenaufgang im Steigflug

Im Winter haben wir nur kurze Zeit das Tageslicht. Um vor Sonnenaufgang zu starten muss man kein Frühaufsteher sein. Der Anblick ist immer wieder überwältigend. Leider müssen wir schon bald wieder unter die Lederhaut.

Die 14 in Zürich: clear to land
Tagesziel: Egelsbach
Sonnenuntergang auf dem Leg nach Hause
Nochmal Anflug Zürich
Zürich: Starten und Landen im Minutentakt
Koblenz

Geschichte(n), die niemand braucht (9)

Winterzeit im Segelflug… das sind Baustunden und Unterricht. Eine kleine Episode zu Baustunden aus meiner klixer Zeit. Witlof H. leitete damals den Flugplatz Klix hauptamtlich. Zu seinen administrativen Aufgaben gehörte auch das Auflisten der Baustunden der Mitglieder. Dazu erstellte er eine große Tabelle und errechnete die sogenannte Pauschalentschädigung für jedes einzelne Mitglied. Da die „Entschädigung“ vom Bauen, also durch Baustunden kam, nannte Witlof seine Tabelle logischerweise Bauschalentschädigung.
Ja, es gab Geld für ehrenamtliche Tätigkeit, so wie heute auch. Es reichte damals für geistige Getränke, den Drogen für das Volk.

Für den Unterricht gab es einheitliche Vorgaben und Material. Hier sind zwei sehr alte Lehrhefte:

Kleiner Airliner

 

Ich hab noch einen Koffer in Berlin… äh Mönchengladbach. Na ja, der Koffer hat 4 Räder und es steht Fiat Panda ans Blech geschrieben. Von Bad Neuenahr nach Mönchengladbach kommt man am schnellsten durch die Luft. Paul war so frei mich zu pilotieren. Das heißt, eigentlich war es Pauls DR 4001, die uns autopilotiert hat.
Faszinierend!

Der Autopilot steigt auf Reiseflughöhe
Petrolchemie zwischen Bonn und Köln
Kraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier
Anflug des ILS von Mönchengladbach
ILS Mönchengladbach
Die Piste

Die guten Vorsätze sind schon wieder untergegangen? Schaut mal hier:

Flugangst bekommen? Hier geht sie weg!

Abnehmen? Damit gehts!

Wünsch Dir was – aber richtig!

 

Unterwegs

 

Wer hätte gedacht, dass Sylt für die Allgemeine Luftfahrt teurer ist als Zürich? Doch das ist nicht der einzige Unterschied: während in Zürich Freundlichkeit regiert und sich die Angestellten ständig fragen, wie sie es den Passagieren und der Besetzung noch angenehmer und einfacher gestalten kann, herrscht auf der Insel der Belehrungston, der Kontrollwahn und die Abzocke. Es gibt die Falschparkergebühr für Luftfahrzeuge, eine Handlinggebühr im dreistelligen Bereich, Ein-Euro-Gepäckwagen, eine vergammelte Abstellfläche und wahrscheinlich existiert auch eine Strafgebühr, wenn man die Ausweichstrecke für Begegnungen auf der Rollbahn nicht benutzt, auch wenn man das einzige Flugzeug weit und breit ist. Und dann macht auch immer noch der Ton die Musik!

Crosswind in Sylt

Habt ihr schon mal bei 50 km/h (in Spitzen 70 km/h) einen Gepäckwagen über eine holprige Abstellfläche gefahren? Ich werde es trotzdem wieder tun, denn es ist mein Job und wir werden auch in Zukunft nicht an der Sylter Abzocke teilnehmen. Menschen können sich ändern.
Dazu eine kleine Geschichte: ich bin dienstlich ein paar Jahre lang immer im November nach Coimbra in Portugal geflogen. Die altehrwürdige Universitätsstadt liegt eine Autostunde vom Atlantik entfernt inmitten einer immergrünen, fruchtbaren Hügellandschaft.

Coimbra – eine Perle von Stadt mit alljährlichem Bierfest

Auf einem der Hügel südlich Coimbra tront stolz der städtische Flugplatz. Gerade so gross, dass auch ein Jet starten kann, betrachtet die Stadt ihren Flugplatz als Infrastruktur, so wie Strassen, Wege, Brücken usw. Coimbra hat gerne Gäste und hängt darum auch kein Preisschild an die städtische Infrastruktur.

Im Endanflug des Flugplatzes Coimbra

Nun kann es auch an der freundlichen Mentalität der Portugiesen liegen, oder auch daran, dass wir Piloten die spröde Herzlichkeit unserer Inselbewohner kaum von dem absoluten Schlechtdraufwienix eines Rheinländers unterscheiden können. Darum: fliegt hin und lasst euch bezaubern.

Zurück zu den Highlights vom dritten Januar:

Gewelltes über dem Rheintal
Zürich liegt in der Suppe
Sonnenuntergang mit Alpenpanorama
Luxemburg
Fuelstop Luxemburg
Landekurve Koblenz
Koblenz… kurz vorm Aufsetzen

Die guten Vorsätze sind schon wieder untergegangen? Schaut mal hier:

Flugangst bekommen? Hier geht sie weg!

Abnehmen? Damit gehts!

Wünsch Dir was – aber richtig!

Neujahr 2017: EIN FROHES NEUES!

2017 hat wundervoll begonnen. Die Eifel hat sich von ihrer besten Seite gezeigt: Sonne satt! Im Ahrtal wehte ein Lüftchen aus Ost über das in 800 Höhenmetern ein leichter West-Süd-West stolperte. Über einer deutlich warnembaren Reibungsschicht gab es kleine Steigzonen. Doch unser Spürsinn sitzt ja in einem Arcus M und düst über Namibia. Wir konnten nur das Sinken verringern…

Die Eifel schaut aus dem Wolkenmeer heraus
Josef Klees von der Flugschule KLEES.AERO über Ahrweiler
Turning final 10 EDRA
Unser Wildschweinfutterplatz, zum Glück haben wir befestigte Betriebswege und eine Asphaltpiste

Als die Barnstormer durch die ländlichen Gegenden der USA zogen um ein paar Dollar durch Rundflüge zu verdienen, suchten diese verwegenen Piloten stets nach einer Stadt mit einem See in der Nähe. In einem See glitzert die Sonne und verzaubert jeden Fluggast. Mein „Spiegel“ ist heute der Laacher See.

Die Wolkenbank aus dem Neuwieder Becken ist bis an die bewaldeten Hänge des Volkankegels vorgedrungen
On Top mit Sicht auf die Eifel
Das Glitzern beginnt
Hinter mir das Wolkenmeer. Was für ein Fest fürs Pilotenauge!

Frieden, Gesundheit und Glück für 2017!

Glück ist kein Zufall!!!