Geschichte(n), die niemand braucht (15)

 

So sahen wir damals aus. Quelle: http://home.snafu.de/veith/ohs.htm

Als Highlights in den ersten 18 Monaten waren S(t)imulatortraining, Fallschirmspringen und viel Sport angesagt. Das lockerte die Theorie etwas auf und brachte uns auf andere Gedanken.

Die Fülle des dargebotenen Fachwissens zur Fliegerei, das wir gierig aufsaugten und die Chance, zur zivilen Fluggesellschaft der DDR, der Interflug zu kommen, ließen mich zielstrebig auf die Bewertung „Sehr Gut“ in allen Spezialfächern hinarbeiten. Den ständig fragenden Genossen erklärte ich, dass ich noch nicht reif und würdig genug für ihre Partei sei und dass ich hart daran arbeite. Der Packt mit der Dummheit war aufgeschoben und viel Freizeit gewonnen, denn die Genossen versammelten sich oft und gerne nach Feierabend. Klar – ewig konnte das nicht gut gehen. Es gab ja auch vorbildliche Genossen, die all das lebten, was ich mir so vorstellte. Zwei meiner „Vorbilder“ hatte ich dann auch befragt, ob sie für mich als Kandidat der SED bürgen würden. Aber es sollte alles ganz anders kommen…

Die Hochschule verfügte über ein modernes Schulgebäude mit einem großen, an den Längsseiten vollständig verglasten Hörsaal, in dem alle Offiziersschüler der Einrichtung zur gleichen Zeit Platz hatten. Der Eingang war im zweiten Stockwerk, die 10 Meter breite Wandtafel hing unten zu ebener Erde.

Der Hörsaal wurde wenig benutzt, da die verschiedenen Fliegergattungen deutliche Unterschiede in der Ausbildung hatten und nur wenige gemeinsame Veranstaltungen dort abgehalten wurden. Ich lernte im Ausbildungsprofil Militärtransportflieger. Die Ausbildung sollte den Einsatz als Militärtransportflieger, aber auch als Berufspilot der Interflug gewährleisten. Die Interflug bildete seit Jahren nicht mehr selbst aus. Nationale Volksarmee und Fluggesellschaft hatten einen Vertrag über die Lieferung entsprechenden Menschenmaterials. Darum hörten wir Englisch bei einem Lehrer im Hochschuldienst, dem Herrn Labs, der kurioserweise während meiner Zeit in Bautzen, dort seinen Grundwehrdienst absolvierte. Herr Labs hatte eben noch lange, lockige schwarze Haare und bunte Kleidung an und plötzlich stand da Genosse Soldat Labs in der gleichen unbequemen Filzuniform wie wir mit abgefressen aussehenden Haaren und erklärte uns, dass wir als OS einen höheren Dienstgrad als er hätten und trotzdem auf ihn hören müssten, es sei denn, ein Offizier beträte den Raum. Dann müsste der Zughelfer die Meldung an den eintretenden, ranghöheren Offizier wie folgt von sich geben: „Genosse Irgendwer“, sagte er zu dem Zughelfer, „Dritter Zug und Soldat Labs bei der Englischausbildung, OS Preis. Vergessen sie bitte den Soldaten nicht, sonst muss ich mich noch mal extra melden.“ Oft genug kam es vor, dass der Soldat die Meldung machte, weil wir es einfach nicht gewohnt waren, von einem Untergebenen unterrichtet zu werden. Soldat Labs war wohl der einzige seines Ranges mit einem eigenen Dienstzimmer. Dort haben die Kumpels aus seiner Kompanie immer heimlich ein Bier gezischt. Dazu muss man wissen, dass der Konsum von Alkohol in den Kasernen der bewaffneten Organe der Republik strengstens verboten war. Die Folge war die heimliche Trinkerei von konzentriertem Alkohol, da sich das Schmuggeln so schwacher Getränke wie Bier oder Wein gar nicht lohnte. So ein Null-Siebener Rohr mit Blauem Würger für 7,80 M konnte 3 Freunde einen Abend lang glücklich machen. Nach Leerung des Rohres schob man eine Deckenplatte zur Seite und warf die Pulle in den Zwischenboden unters Dach der Baracke. Irgendwann hat sich eine Deckenplatte mal so weit durchgebogen, dass der Stabschef nachschauen ließ. Hunderte leerer Flaschen purzelten auf den Barackenboden und konnten so unter dem schallenden Gelächter aller wieder der Sekundärrohstofferfassung zugeführt werden.

Den besten und billigsten Alkohohl gab es zur Enteisung des Blisters beim Flugzeugtyp Antonow 26. Ein mehrere Liter fassender Behälter wurde vom Bodenpersonal vor jedem Flug randvoll aufgefüllt. Dafür und auch für die Entleerung während des Fluges unterschrieb der Bordtechniker. Realisiert wurde das während des Fluges mittels eines Benzinschlauches in mehrere leere Colaflaschen. Aufgeteilt wurde gerecht, denn keiner wollte Alkoholmissbrauch durch den anderen zulassen.

Eine andere Alkohohlgeschichte fand jedes Wochenende statt. Ein Drittel der Mannschaft musste am Standort bleiben, um die ständige Gefechtsbereitschaft zu sichern. Für diese Leute gab es verschiedene Wochenendjobs, damit ihnen die Zeit in der Kaserne nicht zu langweilig werde. Einer bestand darin, am Band in der Schnapsbrennerei Wilthen zu arbeiten. Als Lohn gab es eine Flasche Feinen Alten Wilthener pro Nase. Dieser war im Handel selten und durfte bis zum Urlaub beim Hauptfeldwebel gelagert werden. Dort wurde das Getränk immer dünner und die Nase von Genosse Katzig immer dicker und roter.

Mach was für dich:

Flugangst bekommen? Hier geht sie weg!

Abnehmen? Damit gehts!

Wünsch Dir was – aber richtig!

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